Frank Bühnemann - Geschäftsbereichsleiter neuwerk

Mai 2026. neuwerk - ehemals Salus-Integra - feiert in diesem Jahr 25-jähriges Jubiläum. Gemeinsam mit Geschäftsbereichleiter Frank Bühnemann schauen wir auf seinen Werdegang und die Entwicklung des Handwerksbetriebes, in dem Inklusion groß geschrieben wird. 

Herr Bühnemann, wann haben Sie die Leitung des Geschäftsbereichs neuwerk – früher Salus-Integra - übernommen und was hat Sie an dieser Aufgabe von Beginn an besonders angesprochen? 

Frank Bühnemann: Mitte 2019 wurde ich gefragt, ob ich mir vorstellen kann die Leitung von neuwerk ab 2020 zu übernehmen. So richtig vorbereitet war ich nicht, da üblicherweise die Leitung nicht aus den eigenen Reihen der Integra kam. Ich war seinerzeit Bereichsleiter der Handwerksbetriebe und hatte im Prinzip das, was ich mir beruflich vorgestellt habe. Wenn man das machen darf, was einem liegt, verspürt man nicht unbedingt den Drang nach Veränderung. Andererseits nistet man sich gern in seiner persönlichen Komfortzone ein, was nicht gut ist und ich so überhaupt nicht mag, auch nicht bei mir. Mit der Leitung des Geschäftsbereichs musste ich mich mit Themen beschäftigen, die mich vorher nur am Rande tangiert haben und mehr Verantwortung übernehmen. Das hat mich insgesamt schon angesprochen und liegt nun schon über sechs Jahre zurück. Bereut habe ich es nicht. Einen wichtigen Punkt möchte ich noch aufgreifen. Die Integra war aus meiner Erinnerung heraus eigentlich immer ein Bereich der interessengeleitet war, der sich stets großen Herausforderungen stellen musste. Wenn man das gefühlt in Dauerschleife durchlebt, wächst man als Team und entwickelt nebenbei eine gewisse Resilienz. Ich wusste also, was ich hatte und sozusagen bekommen werde. 

25 Jahre neuwerk bzw. Salus-Integra – welche Etappen oder Entwicklungen waren aus Ihrer Sicht besonders entscheidend für den Erfolg des Geschäftsbereichs?

Ganz spontan: Die Fähigkeit Widerstände zu überwinden und sich unter veränderten Rahmenbedingungen anzupassen und zu behaupten, werte ich als Erfolg. Ein Erfolg war auch, dass wir dabei unseren Kern – Inklusion, Teilhabe und Ausbildung – immer im Fokus behalten haben und sogar ausbauen konnten. Die 25 Jahre bekomme ich nicht voll. Eigentlich bin ich ja erst Anfang 2009 zur Integra als Projektkoordinator/Kalkulator für die Handwerksbetriebe gekommen, also ca. neun Jahre nach der Gründung. Zu dieser Zeit waren die Betriebe schwerpunktmäßig für die Instandhaltung zuständig und auch vom Leistungsportfolio nicht vergleichbar mit dem, was wir heute anbieten. Das hat sich dann relativ schnell geändert. Die fähigen Leute waren da, die auch mehr wollten, so dass wir uns an komplexere und fachlich anspruchsvollere Aufgaben mit Erfolg gewagt haben. Das war im Prinzip der Grundstein, der bis heute trägt. 

Hervorzuheben während meiner Zeit sind sicherlich die Veränderungen in den Jahren 2015 bis 2021. Mit Eröffnung des Integrativen Servicecenters (ISc) 2016 kam ein neues Geschäftsfeld hinzu. Bis dahin waren wir schwerpunktmäßig im Handwerk unterwegs. Mit dem ISc und dem vielfältigen Portfolio an Bürodienstleistungen war die Integra nun breiter aufgestellt und auch in sich wirtschaftlich stabiler. 

Ein in meinen Augen sehr wichtiger Schritt wurde 2019 vollzogen. Mit der Entscheidung, dass ich die Leitung übernehmen werde, bot sich Gelegenheit, neuwerk nochmal komplett neu zu denken. Heraus kam ein klassischer Umbau inklusive Neuorganisation. Die zuvor einzelnen Betriebe Bau, Maler, Garten- und Landschaftsbau wurden in einem Zweckbetrieb zusammengeführt. Mit Errichtung der neuen Werkhalle in Uchtspringe bekam die Tischlerei eine neue Betriebsstätte und wurde dazu noch in einen Inklusionsbetrieb umgewandelt. Die Betriebsleiter übernahmen Aufgaben von mir, so dass es den Bereichsleiter der Handwerksbetriebe, also meine vorherige Position, seitdem nicht mehr gibt.  

Leider sind aber auch Rahmenbedingungen so ungünstig, dass wir an und für sich vielversprechende Geschäftsfelder aufgeben mussten, so auch den Garten- und Landschaftsbau. Das ist schon sehr bedauerlich, da gerade dies ein prädestiniertes Geschäftsfeld für Inklusion und Teilhabe ist. Als Erfolg werte ich dabei, dass für alle betroffene Kollegen sozialverträgliche Lösungen im Einvernehmen gefunden wurden.

Nicht zu vergessen ist unser jüngstes Projekt “Leichte Sprache”. Hier sieht man ganz gut, dass es Menschen braucht, die sich für Themen begeistern können und sich entsprechend reinhängen. Mich freut auch, dass das Angebot so gut nachgefragt wird. Ich würde auch sagen, dass wir damit nebenbei einen Mehrwert für unser Unternehmen geschaffen haben.

Wenn Sie auf die vergangenen Jahre zurückblicken: Wo sehen Sie die größten Veränderungen bei neuwerk und welche Werte oder Strukturen sind bis heute unverändert geblieben?

Eigentlich befinden wir uns doch in einem ständigen Veränderungsprozess. Wobei sich Strukturen vermutlich schneller und einfacher als Werte verändern. Hier mal exemplarisch zwei Beispiele: Dass 2017 für die Gründung der Salus Altmark Holding die Integra umfirmiert wurde, dürfte vermutlich bekannt sein. Bis dahin war die Integra eine Tochter der Salus. Mit der Umfirmierung wurde die Integra als eigener Geschäftsbereich innerhalb der Salus Altmark Holding fortgeführt. Sie war somit nicht mehr eigenständig und es wurde aus der ehemaligen Tochter der Salus, die Mutter der Salus. Was sich so einfach liest, war dann in der Umsetzung nicht ganz so leicht. Aber man wächst ja bekanntermaßen mit seinen Aufgaben, so auch hier und am Ende haben wir es ja alle hinbekommen. Was blieb sind die Werte, internen Strukturen und die Menschen, die neuwerk prägen. 

Noch ein Beispiel: Als ich 2009 zur Integra kam, war das Unternehmen bereits mit einem bestimmten Image verbunden, das nicht immer ganz vorteilhaft war. Solche Wahrnehmungen entstehen schnell und lassen sich erfahrungsgemäß nur mit konsequenter Weiterentwicklung nachhaltig verändern. Genau diesen Weg haben wir eingeschlagen: Wir haben Ursachen analysiert, gezielt verbessert und uns Schritt für Schritt neu positioniert. Rückblickend bin ich überzeugt, dass uns das gelungen ist. In diesem Prozess stellte sich auch die Frage, ob unser Name noch zu dem passt, wofür wir stehen und wie wir wahrgenommen werden möchten. Mit neuwerk haben wir schließlich einen Markenauftritt gefunden, der unsere Identität deutlich besser widerspiegelt – eine Entscheidung, die sich als richtungsweisend und identitätsstiftend erwiesen hat.

Zum Abschluss: Welche Weichen möchten Sie für neuwerk stellen, damit das Unternehmen weiterhin erfolgreich ist und die Mitarbeitenden sich gut entfalten können?

Das wäre eigentlich genug Gesprächsstoff für eine neues Interview. Jeder Bereich hat da seine eigenen Herausforderungen. Einige Weichen wurden bereits gestellt, wie z.B. die Veränderungen im ISc in Uchtspringe und im InfoZ in Magdeburg, so dass ich denke, dass wir da auf einem guten Weg sind. Die größten Herausforderungen dürften für die Handwerksbetriebe bereitstehen. Demografische Entwicklung, Fachkräftemangel und Nachwuchssorgen wirken nicht unbedingt positiv. Hinzu kommt, dass wir natürlich auch die insgesamt angespannte wirtschaftliche Lage hautnah zu spüren bekommen und politische Rahmenbedingungen zunehmend verunsichern. Das ist sicherlich nichts, was nur uns betrifft, letztlich aber doch da ist und angegangen werden muss. Die Frage war aber eine andere. Bzgl. der Weichenstellung wird es immer meine Bestrebung sein, die Betriebe branchenvergleichbar und wettbewerbsfähig auszurichten, natürlich immer möglichst im Einklang mit dem besonderen sozialen Auftrag, den neuwerk nun einmal hat. Nimmt man dies, ergeben sich daraus für die Mitarbeitenden vielfältige Entfaltungsmöglichkeiten und ich bin gespannt, wie unsere Weg in den kommenden Jahren weitergehen wird. 

 

Kerstin Kern - seit Beginn an dabei

Lesen Sie im Gespräch mit der Assistentin gern noch mehr über die Geschichte neuwerks. 

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