Aktuelles

"Menschen. Nicht Herkunft.": Pflege lebt von Vielfalt

Im Pflegealltag treffen Menschen mit unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven aufeinander. Wie genau diese Vielfalt die Zusammenarbeit im Team und die Versorgung von Patientinnen und Patienten bereichert, darüber sprechen wir mit Kathleen Holotiuk, der Pflegedirektorin des Fachklinikums Bernburg, und Marcus Butzmann, dem Leiter der Stabsstelle Pflegeentwicklung. Beide haben auf die Kampagne „Menschen. Nicht Herkunft.“ aufmerksam gemacht, an der sich auch unser Verbund seit Kurzem beteiligt.

Was macht Vielfalt in der Pflege für Sie aus?

Kathleen Holotiuk: Vielfalt bedeutet für mich, dass wir voneinander lernen. Wenn Kolleginnen und Kollegen aus unterschiedlichen Kulturen zusammenkommen, bringen sie neue Blickwinkel, Lösungsansätze und Lebenserfahrungen mit. Genau das macht unsere Teams stark, lebendig und menschlich reich.

Marcus Butzmann: Für mich zeigt sich Vielfalt dann, wenn sich die Menschen, die heute in unserer Gesellschaft leben, auch in unseren Pflegeteams wiederfinden. Dabei geht es nicht nur um Herkunft und Sprache. Menschen bringen unterschiedliche Biografien, Religionen, Lebensweisen, Geschlechtsidentitäten und fachliche Erfahrungen mit. Was zählt, ist, dass wir alle Menschen gleichwertig behandeln.

Und wie profitieren Patientinnen und Patienten von vielfältigen Teams?

Kathleen Holotiuk: Unterschiedliche Herkünfte bedeuten auch unterschiedliche Ausbildungshintergründe und Erfahrungen. In kniffligen Pflegesituationen führt dieser Blick über den eigenen Tellerrand oft zu kreativeren und ganzheitlicheren Lösungen im Versorgungsalltag.

Marcus Butzmann: Genau, das zeigte sich beispielsweise bei uns im Fachklinikum bei der Begleitung kriegstraumatisierter Menschen aus der Ukraine. Hierbei konnten uns Teammitglieder mit eigenen Bezügen zu Osteuropa helfen, bestimmte Verhaltensweisen und kulturelle Hintergründe besser zu verstehen. Dadurch ließen sich vorschnelle Bewertungen und Vorurteile abbauen.

Das gilt auch für religiöse Bedürfnisse, unterschiedliche Esskulturen sowie verschiedene Vorstellungen von Geschlecht und Identität. Wenn solche Perspektiven im Team gehört werden, können wir unsere gewohnten Abläufe hinterfragen und die Versorgung besser an den einzelnen Menschen anpassen. Manchmal bedeutet gute Pflege auch, nachzufragen, zuzuhören und zu lernen.

Welche besonderen Erfahrungen und Perspektiven bringen internationale Kolleginnen und Kollegen in die Pflege ein?

Kathleen Holotiuk: Wer den Mut aufbringt, die Heimat zu verlassen, eine neue Sprache zu lernen und sich in einem fremden Land mit ganz anderen Strukturen neu zu orientieren, bringt enorm viel Motivation, Durchhaltevermögen und Anpassungsfähigkeit mit. Diese Haltung wirkt oft ansteckend und stärkt den Teamgeist.

Marcus Butzmann: Dem kann ich nur zustimmen; internationale Teammitglieder bringen Erfahrungen aus anderen Ausbildungs- und Gesundheitssystemen, zusätzliche Sprachen und Kenntnisse aus unterschiedlichen Lebenswelten mit. Sie helfen uns, Situationen aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten und Dinge zu erkennen, die uns selbst bisher nicht aufgefallen sind.

Mir ist dabei aber wirklich wichtig, dass wir niemanden auf seine Herkunft reduzieren. Eine muslimische Pflegeperson ist beispielsweise nicht automatisch dafür zuständig, dem gesamten Team den Islam zu erklären. Ebenso sollte niemand selbstverständlich zum Übersetzen herangezogen werden. Wertschätzung bedeutet für mich, eine besondere Erfahrung oder Kompetenz wahrzunehmen und zu fragen, ob jemand sie mit dem Team teilen möchte. Ein Nein muss dabei genauso selbstverständlich möglich sein.

Was bedeutet gute Zusammenarbeit unabhängig von Herkunft für Sie?

Marcus Butzmann: Gute Zusammenarbeit bedeutet für mich, dass alle im Team mit dem gleichen Respekt behandelt werden, dass dieselben professionellen Maßstäbe gelten und dass jede Stimme gehört wird.

Integration ist dabei keine Aufgabe, die allein neue oder internationale Teammitglieder erfüllen müssen. Auch Arbeitgeber, Führungskräfte und Teams tragen Verantwortung. Neue Teammitglieder brauchen eine gute Einarbeitung, bei Bedarf sprachliche Unterstützung und vor allem Menschen, die sie in Gespräche, Fortbildungen und das tägliche Miteinander einbeziehen. Sprache und Sicherheit entstehen schließlich nicht am Rand eines Teams, sondern im gemeinsamen Alltag. Unsicherheiten und Schwierigkeiten müssen offen angesprochen werden können. Wenn ein Fehler passiert, sollten wir nach der tatsächlichen Ursache suchen und nicht vorschnell die Herkunft eines Menschen zur Erklärung machen. So können wir Ausgrenzung und Diskriminierung vermeiden.

Kathleen Holotiuk: Und genau da möchten wir ansetzen und das Miteinander in den Fokus rücken. Denn am Krankenbett zählt nicht, wo jemand geboren ist, sondern ob wir gemeinsam das Beste für unsere Patientinnen und Patienten erreichen. Gute Zusammenarbeit bedeutet, dass sich jede und jeder im Team blind auf den anderen verlassen kann, in stressigen Notsituationen genauso wie im normalen Schichtalltag.

Sie möchten mitmachen?

Erzählen Sie uns, was Vielfalt für Ihren Berufsalltag bedeutet und was Ihre Arbeit ausmacht.

Kommen Sie gern auf uns zu unter kommunikation(at)sah.info. Wir freuen uns darüber zu berichten. 

Salus Altmark Holding unterstützt die Kampagne „Menschen. Nicht Herkunft.“

Jetzt mehr erfahren

Kampagnenbilder