Fachklinikum Bernburg

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Eindrucksvolle Jubiläumstagung mit breitem Blickwinkel zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

Die musikalische Begleitung der feierlichen Jubiläumstagung erfolgte durch das Rossini-Quartett aus Magdeburg.
Gastgeber und Ehrengäste der Jubiläumsfachtagung (v.l.n.r.): Dr. Antje Möhlig (Ärztliche Direktorin des Fachklinikums Bernburg), Silvia Ristow (Oberbürgermeisterin der Stadt Bernburg), Kathleen Holotiuk (Pflegedirektorin des Fachklinikums Bernburg), Steffen Schwarz (kaufmännischer Direktor des Fachklinikums Bernburg), Staatssekretär Wolfgang Beck (SAH-Aufsichtsratsvorsitzender), Marcus Bauer (Landrat des Salzlandkreises) und Jürgen Richter (SAH-Geschäftsführer).
Landrat Marcus Bauer (.) überreichte anlässlich des Jubiläums eine Ehrenurkunde, mit der das Wirken der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Versorgung psychisch kranker Menschen gewürdigt wird.
Prof. Dr. med. Ekkehard Kumbier bei seinem eindrucksvollen Vortrag „150 Jahre Psychiatrie in Bernburg – Geschichte und Geschichten“. Der renommierte Experte leitet an der Universitätsmedizin Rostock den Arbeitsbereich zur Geschichte der Medizin und ist Sprecher des Referats Geschichte der Psychiatrie der Fachgesellschaft DGPPN (Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde).
Jens Reimann, SAH-Geschäftsbereichsleiter Bau, IT und Technik, ging auf den Lebenszyklus der Krankenhaus-Immobilien ein und stellte fest: "Nach dem Bau ist vor dem Bau!".
Dr. Antje Möhlig, Ärztliche Direktorin des Fachklinikums, schilderte die fachlich-inhaltlichen Veränderungsprozesse seit 1990 und stellte zukunftsorientierte Entwicklungsperspektiven vor.
Die Krankenhausleitung dankte der Historikerin Dr. Ute Hoffmann (2.v.l.) für die Erstellung der Festschrift "Von der Heilanstalt zum Fachklinikum - 150 Jahre psychiatrisches Krankenhaus Bernburg". Sie wurde dabei von Cornelia Barnebeck (r.) tatkräftig unterstützt, insbesondere mit umfangreichem Bildmaterial.
Bei der Jubiläumstagung hatte auch die Festschrift ihre Premiere. Das hochwertige Buch ist für 16 Euro im Sekretariat der Kaufmännischen Leitung des Fachklinikums Bernburg erhältlich.
Gehörten zu den Ehrengästen der Veranstaltung (v.l.n.r.): Steve Kanitz (Landrat des Altmarkkreises und Mitglied des SAH-Aufsichtsrates), Marcus Bauer (Landrat des Salzlandkreises) und Wolfgang Beck (Staatssekretär, SAH-Aufsichtsratsvorsitzender).
Dank und Anerkennung für das Wirken der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Das Veranstaltungsprogramm anlässlich des 150jährigen Bestehens des Psychiatrie-Standortes Bernburg fand am 8. November 2025 mit einer feierlichen Jubiläumstagung seinen Abschluss. Im Blickfeld standen Geschichte und Geschichten von den Anfängen der psychiatrischen Versorgung bis in die heutige Zeit. Dabei wurde auch auf Aspekte der baulichen Entwicklung sowie auf Visionen für die Weiterentwicklung der medizinisch-therapeutischen Konzepte eingegangen. Unter den nahezu 100 Teilnehmenden waren am Standort Bernburg tätige Fach- und Führungskräfte ebenso anzutreffen wie ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Gäste aus der Politik und kooperierenden Einrichtungen, SAH-Aufsichtsratsmitglieder und die Geschäftsführung sowie Interessenten aus der Bevölkerung. 

Zum Auftakt brachten sich der Aufsichtsratsvorsitzende der Salus Altmark Holding Wolfgang Beck (Staatssekretär im Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Gleichstellung Sachsen-Anhalt) sowie der Landrat des Salzlandkreises Marcus Bauer in das Programm ein. Sie verbanden ihre Glückwünsch zum Jubiläum mit Dank und Anerkennung an alle Beschäftigten des Fachklinikums und des Maßregelvollzugs Bernburg, die die Entwicklung des Standortes in den zurückliegenden Jahrzehnten vorangebracht haben und sein heutiges Profil prägen. “Es ist ein Ort, an dem nicht nur Symptome behandelt werden, sondern Menschen geholfen wird, ihre Lebensqualität zurückzugewinnen”, erklärte Staatssekretär Wolfgang Beck. ”Aus einer verwahrenden Einrichtung ist ein modernes Zentrum psychiatrischer, psychotherapeutischer und psychosomatischer Versorgung entstanden – ein Ort, an dem Heilung und Selbstbestimmung im Mittelpunkt stehen", so der Staatssekretär, der in seinen Worten auch auf die Schatten der Vergangenheit Bezug nahm, die in der Geschichte der Einrichtung unauslöschliche Spuren hinterlassen haben: “Während der nationalsozialistischen Diktatur wurden Menschen mit psychischen Erkrankungen systematisch entrechtet, misshandelt und ermordet. Diese dunklen Kapitel mahnen uns, dass es nie wieder zu solch unvorstellbaren Vergehen kommen darf”, verwies er auf die historische Verantwortung. "Heute blicken wir auf eine Entwicklung, die geprägt ist von einer menschlichen Sicht auf psychische Erkrankungen, von Innovationen in Diagnostik und Therapie und von einer Haltung, die den Menschen in seiner Würde in den Mittelpunkt stellt. Diese Entwicklung war nur möglich durch das Wirken vieler Generationen von Ärztinnen und Ärzten, Pflegekräften, Therapeutinnen und Therapeuten sowie aller anderen Beteiligten. Mein besonderer Dank gilt Ihnen, den heutigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die diese Tradition fortsetzen.” Auch Landrat Marcus Bauer hob in seinem Grußwort die Rolle der Menschen hervor, die durch ihren Einsatz zur Prävention, Behandlung und Nachsorge psychischer Erkrankungen beitragen. Er würdigte die Salus-Einrichtung als starke und verlässliche regionale Partnerin des Landkreises, die sich unter anderem in der Zusammenarbeit im gemeindepsychiatrischen Verbund zeigt. Der Landrat übergab eine Ehrenurkunde, auf der es heißt: "Mit Herz, Kompetenz und Verantwortung leisten die Mitarbeitenden einen unschätzbaren Beitrag zur seelischen Gesundheit der Menschen in unserer Region - getragen von der Überzeugung, dass jeder Mensch Würde, Zuwendung und Hoffnung verdient. Für dieses besondere Wirken im Dienst des Menschen ein herzliches Dankeschön."

Das Hauptreferat der Tagung zur Thematik „150 Jahre Psychiatrie in Bernburg – Geschichte und Geschichten“  hielt Prof. Dr. med. Ekkehard Kumbier gewonnen werden. Er leitet an der Universitätsmedizin Rostock den Arbeitsbereich zur Geschichte der Medizin und ist Sprecher des Referats Geschichte der Psychiatrie der Fachgesellschaft DGPPN (Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde). Der renommierte Experte ließ in Bernburg die wechselvolle Historie des heutigen Salus-Fachklinikums Bernburg von der Gründungsphase über die Zeit während und nach dem 1. Weltkrieg, die Verbrechen im Zuge der NS-"Euthanasie bis hin zum Aufbruch nach dem 2. Weltkrieg und der Psychiatrie im Sozialismus Revue passieren. Er machte darauf aufmerksam, dass die Eröffnung im Jahr 1875 seinerzeit einen Neubeginn markierte und Ausdruck zeitgenössischer Reformerwartungen war, da psychisch Kranken erstmals eine spezialisierte Versorgung zuteil wurde und die Entwicklung der Psychiatrie als eigenständiges medizinisches Fach voran brachte. “Was aus heutiger Sicht inhuman erscheint, war nach damaligem Standard ein Fortschritt”, zeigte Prof. Dr. Kumbier u.a. auf, dass psychisch Kranke zuvor in Arbeits-, Zucht- und Waisenhäusern verwahrt worden waren. Das Bernburger Wochenblatt schrieb am 11. September 1875: ”Die Landesirrenanstalt zu Bernburg ist eines jener großartigen staatlichen Etablissements, welche man staunend und anerkennend zugleich zu betrachten pflegt." 

Wie sich der Immobilienbestand und die baulichen Strukturen der Liegenschaft im Verlaufe von 15 Jahrzehnten entwickelt haben, stand im Blickfeld des Vortrages von Jens Reimann, Leiter des Geschäftsbereiches Bau, IT und Technik der Salus Altmark Holding, der dies u.a. durch eine Gegenüberstellung der Lagepläne von damals und heute visualisierte. Unterhaltsam ließ der engagierte Architekt insbesondere an den Erfahrungen teilhaben, die er selbst während seiner bislang 24jährigen Tätigkeit im Salus-Bauprojektmanagement gesammelt hat und stark vom Lebenszyklus der Immobilien geprägt sind: “Wir gehen derzeit davon aus, dass es von der Inbetriebnahme eines Gebäudes heute etwa 20 Jahre dauert, bis es anfängt zu kneifen. Baulichkeit, Technik und Infrastruktur passen dann nicht mehr zu den veränderten Behandlungsbedingungen und den daraus resultierenden Anforderungen", verwies Jens Reimann auf die Erkenntnis: “Nach dem Bau ist vor dem Bau!”  Rein statistisch bedeute das, dass am Standort Bernburg in jedem Jahr 2,25 Gebäude einer baulichen Behandlung bedürfen. Derzeit gibt es in der Liegenschaft 45 Gebäude mit insgesamt 52.529,55 Quadratmetern Nutzfläche.

Im weiteren Tagungsverlauf ging Dr. Antje Möhlig, Ärztliche Direktorin des Fachklinikums, auf die fachlich-inhaltlichen Veränderungsprozesse seit 1990 ein und stellte zukunftsorientierte Entwicklungsperspektiven vor. Kenntnisreich bis ins Detail und lebendig schilderte sie die tiefgreifende Transformation nach der Wende, die anschließende Konsolidierungsphase sowie den Ausnahmezustand, der im Jahr 2020 mit der Corona-Pandemie über die Mitarbeitenden hereinbrach. Dabei wurde deutlich, dass Licht und Schatten auch im Zuge der Entwicklung eines Krankenhauses oft nah beieinander liegen. Frau Dr. Möhlig zeigte dies u.a. am Beispiel der neurologischen Abteilung auf, die 2004 aufgrund neuer Anforderungen in der Akutversorgung an das damals städtische Klinikum Bernburg abgegeben werden musste. “Das war ein herber Verlust, hat - im Nachhinein betrachtet - aber zugleich Kräfte für die Stärkung psychotherapeutischer und störungsspezifischer Konzepte freigesetzt”, so Frau Dr. Möhlig, die diese Ambivalenz Mitte der 1990er Jahr auch bei der Trennung der fachärztlichen Weiterbildungen für Neurologie und Psychotherapie/Psychotherapie wahrgenommen hat: “Das hat unser Fachgebiet massiv verändert und für die Psychotherapie geöffnet”, zeigte die erfahrene Fachärztin eine Entwicklung auf, die im zurückliegenden Jahrzehnt auch zunehmenden Einfluss auf die Bernburger Behandlungskonzepte hatte, so zum Beispiel bei der Therapie von Angststörungen und Borderline-Syndromen. Zu dieser Erfolgsgeschichte gehört, dass das Salus-Fachklinikum Bernburg als bislang einzige Einrichtung in Sachsen-Anhalt mit einer qualitätszertifizierte Behandlung nach dem Konzept der Dialektisch Behavioralen Therapie (kurz: DBT) aufwarten kann.  Für die Zukunft sieht die Ärztliche Direktorin ihre Einrichtung gut aufgestellt und sieht zugleich Herausforderungen, wie sie u.a. mit finanziellen Zwängen und Fachkräftemangel einhergehen: ”Daher sind wir sehr froh über unsere Kolleginnen und Kollegen, die aus anderen Ländern zu uns gekommen sind. Ohne sie könnten wir einen großen Teil unserer Versorgungsleistungen gar nicht erbringen. Außerdem erweitern diese internationalen Berufs- und Lebenserfahrungen unseren Horizont - das bringt uns weiter", sagte Frau Dr. Möhlig unter dem Beifall der Tagungsgäste. Was die weitere Entwicklung betrifft, hat die Ärztliche Direktorin vor allem die enorme Verantwortung für Menschen mit schweren und chronisch verlaufenden psychischen Erkrankungen vor Augen: “Der Ausbau unserer ambulanten und aufsuchenden Versorgungsangebote mit niedrigschwelligem Zugang ist dringend notwendig", nimmt sie auch Bezug darauf, dass gerade schwer erkrankte Patientinnen und Patienten im KV-Bereich oft keine Chance haben. “Unser Profil als Zentrum für psychische Erkrankungen mit stationären, tagesklinischen und ambulanten Angeboten wird weiter geschärft.”

Abschließend wurde der Historikerin Dr. Ute Hoffmann, die vor ihrem Ruhestand mehr als 35 Jahre die Gedenkstätte für Opfer der NS-„Euthanasie“ geleitet hat, ein herzliches Dankschön für die großartige Unterstützung bei der Gestaltung des Jubiläumsjahres ausgesprochen. Steffen Schwarz, kaufmännischer Direktor, würdigte ihre Arbeit bei der Konzeption und inhaltlichen Erarbeitung der Ausstellung sowie der jüngst erschienen Festschrift “Von der Heilanstalt zum Fachklinikum - 150 Jahre psychiatrisches Krankenhaus Bernburg”.