Fachklinikum Uchtspringe

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Das Herz und die Psyche: Eine wechselvolle Beziehung

In den Behandlungskonzepten der Abteilung für Psychotherapeutische Medizin und Psychosomatik Uchtspringe wird den Zusammenhängen zwischen psychischen und körperlichen Beschwerden besonders hohe Aufmerksamkeit gewidmet.
Dr. Cornelia Ulrich
Herzbeschwerden können auch psychische Ursachen haben. Wenn die Körpermedizin bei der Diagnostik nichts findet, sollte auch an psychosomatische Zusammenhänge gedacht werden. (Abbildung: geralt auf pixabay)
Ein Beitrag zur Herzwoche des Landes Sachsen-Anhalt

Sachsen-Anhalt stellt mit der siebten Herzwoche vom 15. bis 19. Juni 2026 die Themen Herzgesundheit und Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen in den Mittelpunkt. Unter dem Motto „Mach Deinem Herzen Beine“ laden zahlreiche Aktionen dazu ein, aktiv zu werden. Während körperbezogene Aspekte der Herzgesundheit große Aufmerksamkeit genießen, werden die engen Wechselbeziehungen zwischen Herz und Psyche häufig noch unterschätzt. Nachfolgend geht Dr. Cornelia Ulrich, Ärztliche Direktorin und Chefärztin der Klinik für Psychotherapeutische Medizin, Psychosomatik und Suchtmedizin des Salus-Fachklinikums Uchtspringe darauf ein, warum emotionale Belastungen und Stress direkt auf`s Herz durchschlagen können und Herzerkrankungen oft auch die Psyche schwer belasten.

„Das habe ich mir zu Herzen genommen.“ - „Mir blieb vor Schreck das Herz stehen.“ - Oder sogar: „Es bricht mir das Herz.“ Viele bildhaft-emotionale Redewendungen zeugen von der engen Beziehung zwischen Herz und Psyche. Wie richtig der Volksmund damit liegt, ist aus dem Blickwinkel der Psychokardiologie - einem recht jungen Spezialgebiet der Psychosomatik – erklärbar. 

„Die wechselseitigen Zusammenhänge zwischen Herzerkrankungen und psychischen Störungen oder Krankheiten wurden lange unterschätzt. Die Seele hängt immer hinterher, wenn es doch eigentlich um das moderne Leitbild einer ganzheitlichen Diagnostik und Behandlung geht“, sagt Dr. Cornelia Ulrich, Ärztliche Direktorin des Salus-Fachklinikums Uchtspringe und Chefärztin der Klinik für Psychotherapeutische Medizin, Psychosomatik und Suchtmedizin. Zunehmend rücke aber ins Blickfeld, welch´ großen Einfluss psychische und psychosoziale Faktoren sowohl auf die Entstehung von Herzerkrankungen als auch auf die Verarbeitung von folgenschweren Ereignissen wie etwa einem Herzinfarkt haben. 

Wenn seelische Not ans Herz geht

Eine psychische Erkrankung bedeutet Dauerstress für den Betroffenen mit negativen Auswirkungen auch auf die körperliche Gesundheit. Besonders die Depression gilt heute bereits als eigenständiger Risikofaktor für die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, vergleichbar mit dem Rauchen und Bluthochdruck. Ebenso können auch existenzielle Ängste, verursacht z.B. durch leidvolles Trennungs- oder Verlusterleben, das Herz im wahrsten Sinne des Wortes brechen: „Die Spasmen des Broken-Heart-Syndroms legen den Verdacht auf einen Infarkt nahe, der sich durch die körperbezogene Diagnostik aber nicht erhärten lässt“, erklärt Dr. Cornelia Ulrich ein Phänomen, von dem Frauen häufiger betroffen sind als Männer. Wissenschaftler führen es auf eine massive Ausschüttung von Stresshormonen zurück, die kurzzeitig Teile des Herzmuskels lähmen. „Obwohl solche Symptome zunächst nicht lebensbedrohlich sind, muss den Ursachen auf den Grund gegangen werden. Dadurch können schwerwiegende Verläufe mit ständigen Notfall-Aufnahmen, ausufernder Körperdiagnostik und tatsächlichen Folgeschäden für Herz und Gefäße vermieden werden“, weiß die Fachärztin für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie aus Erfahrung. Hier wie auch bei anderen psychosomatisch bedingten Herzbeschwerden komme es darauf an, negativ wirkende Gefühls- und Verhaltensmuster zu erkennen sowie Strategien für deren Bewältigung zu entwickeln. Völlig auszuschließen sei ein Tod durch machtvolle Seelenqual jedoch nicht: „Eindrucksvoll erlebt man das manchmal bei lebenslang und innig verbundenen Paaren: Wenn einer stirbt, folgt der andere nach wenigen Tagen.“ 

Wenn Herzerkrankungen auf´s Gemüt schlagen

Eine Herzerkrankung verändert das Leben eines Menschen. Um beispielsweise nach einem Herzinfarkt wieder auf die Beine zu kommen, stehen nach der Akutbehandlung im Krankenhaus vielfältige, überwiegend körperbezogene Reha-Maßnahmen auf dem Programm, damit die Anpassung an die neue Situation gelingt. Bei etwa 20 bis 30 Prozent der Betroffenen legt sich ein solches Ereignis jedoch auch auf´s Gemüt: „Manche Patienten nehmen ihr Herz völlig anders wahr und haben keine Vertrauen mehr in dessen Leistungsfähigkeit. Häufig leiden sie unter depressiven Verstimmungen, Erschöpfung und einer angstvoll-starken Fixierung auf ungewohnte Empfindungen, wie sie z.B. nach einer Herzschrittmacher-Implantation auftreten können. Es dominiert ein Gefühl des Ausgeliefert-Seins, das sich auch durch regelmäßige Kontrollen beim Kardiologen nicht mindern lässt“, schildert Frau Dr. Ulrich die psychosomatischen Beschwerdebilder. Mitunter löse allein die Angst vor einem erneuten Ereignis Panik und Herzrasen aus. „Damit wieder eine normale und weitgehend angstfreie Lebensqualität erreicht werden kann, sollte in solchen Fällen unbedingt eine psychotherapeutische Behandlung erfolgen. Für eine bessere Selbstwahrnehmung, Emotionsregulation, Entspannung und Achtsamkeit ist professionelle Hilfe oft unverzichtbar“, so die Expertin, die bei der interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen Kardiologie, Psychosomatik und Psychotherapie noch jede Menge „Luft nach oben“ sieht. „Vieles ist erst im Werden. Dies gilt allerdings auch für das Miteinander bei anderen körperlichen Erkrankungen, bei denen die Psyche ein besonders gewichtiges Wörtchen mitredet“, verweist Dr. Cornelia Ulrich u.a. auf chronische Magen- und Darmerkrankungen, Asthma, Diabetes mellitus und Neurodermitis. Zusammengefasst könnte man sagen: „Nicht dem Körperlichen weniger, sondern dem Seelischen mehr Aufmerksamkeit schenken“. 

Präventive Tipps: Bewegung zählt – für Körper und Psyche 

Was präventive Einflussmöglichkeiten betrifft, fasst die Fachärztin zusammen: „Sowohl das Herz als auch die Seele profitieren am meisten von Aktivitäten, die Stress abbauen, Freude bereiten und gleichzeitig den Kreislauf anregen. Da Psyche und Herz über das Nerven- und Hormonsystem miteinander verknüpft sind, wirkt das Wohlbefinden der einen Seite auch positiv auf die andere.“ Insofern lasse sich das Motto der Herzwoche „Mach Deinem Herzen Beine“ bestens nutzen, um eine Brücke zwischen körperlicher Aktivität und seelischer Entlastung zu schlagen. „Bewegung bringt nicht nur den Kreislauf in Schwung, sondern ist zugleich ein sehr wirksames natürliches Antidepressivum. Schon ein zügiger Spaziergang lüftet den Kopf aus und kann den Blutdruck senken“, verweist die Expertin zugleich darauf, dass auch andere Faktoren wie Stressbewältigung, gesunde Ernährung und Schlafhygiene sowie ein stabiles soziales Umfeld sowohl das psychische als auch das kardiale Wohlbefinden fördern.